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Rico Weber

Aufgewachsen in Hinwil, beschliesst der junge Rico Weber (1942 – 2004) nach einer Lehre als Tapezierer-Dekorateur die Welt zu erkunden und reist nach Frankreich, Österreich, Deutschland, Holland, Belgien und Skandinavien. Es ist die Zeit der Hippie-Bewegung.

In Stockholm, im Museum für Moderne Kunst, engagiert man Weber als Koch. Bei dieser Gelegenheit lernt er 1966 das Künstlerpaar Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely kennen und wird bald zum unentbehrlichen Mitarbeiter und engen Freund der beiden.

1972 beginnt er daneben seine Karriere als freischaffender Künstler. Seine Werke konfrontieren mit der Wirklichkeit, imitieren und verwandeln sie mit Ironie und philosophischem Hinterfragen. Rico Weber setzt sich leidenschaftlich mit fotorealistischen Arbeiten auseinander. Seine «Energiestilleben» befinden sich im Schnittbereich von Foto, Installation und Skulptur. Dazu sagte er: «Mauern sind wie Landschaften und Landschaften kann man gestalten, also gestalte ich meine eigenen Landschaften und meine eigenen Mauern».

Es ist die Wiedergabe einer Pseudorealität, die man nachher zweidimensional als Foto sieht oder es ist der Abguss einer Pseudorealität. «Ich baue das Zeugs, damit man meint, es sei ein Abguss einer Mauer die existiert, aber das stimmt überhaupt nicht.»

 

Er ergänzte seine Energiestilleben gezielt mit den verschiedensten Gegenständen, wie Kreuze, Zahlen, Mäuse oder einfach einem Schalter.

 

Rico Weber liebte auch die «Fenster-Metapher» und verwendete sie in verschiedenen Zusammenhängen. So zum Beispiel in monochromen Reliefs, in denen er reale Fensterrahmen nachahmte und darin Fotos der Aussenwelt montierte. Auch in seiner Serie so genannter «photo-fenêtre» vereinte er in Collagen das Fenstermotiv mit anderen Elementen.

 

In seinen «Zap TV» beleuchtet er auf ironische Weise unser Verhältnis zum Fernsehen. Der Künstler integriert unbewegliche Bilder in Installationen, die Bildschirme nachahmen. Reisen, Sport, Unterhaltungskultur oder Natur sind Sujets, die losgelöst von jeglichem Kontext Fragen aufwerfen, irritieren oder amüsieren.

 

Auf der einen Seite war Rico Weber die bekannte, öffentliche Person, der unermüdliche Handwerker an der Seite des Künstlerpaares. Auf der anderen Seite der eigenständige Künstler, der sich leidenschaftlich mit fotorealistischen Arbeiten im Schnittbereich von Foto, Installation und Skulptur beschäftigte.

 

Rico Weber widersetzte sich zeitlebens dem Personenkult und blieb stets ein Aussenseiter der Kunstwelt.

 

Als Rico Weber 2004 stirbt, wird gemäss seinem Wunsch sein gesamtes künstlerisches Werk, seine Sammlung sowie sein Archiv dem MAHF (Musée d’art et d’histoire, Fribourg) übergeben.

 

Der Film: RICO WEBER

Im Auftrag des MAHF (Musée d’art et d’histoire, Fribourg) dokumentierte Stefan Hugentobler kurz nach Webers Tod dessen Haus in St. Ursen (FR), sowie die darin befindlichen Kunstschätze mittels Video – eine Reise durch das magische Kabinett eines aussergewöhnlichen Künstlers und Weltenbummlers, der zeitlebens alles aufbewahrte, was ihm zwischen die Hände geriet. Ferner fand man in Webers Haus eine Kiste mit Videobändern des Künstlers. Diese enthielten Auto-Interviews, die von ihm rund ein halbes Jahr vor seinem Tod aufgezeichnet wurden. Es handelt sich um erschütternde Zeugnisse des Überlebenskampfs gegen seine Krebserkrankung. Ebenso äussert sich Rico Weber darin über seine künstlerischen Intentionen, die auf das subtile Spannungsfeld zwischen Realität und Illusion zielen.

 

Spurensuche im magischen Kabinett ist ein intensiver Film und eine Begegnung mit einem lange unterschätzten Künstler. Ohne je voyeuristisch zu werden, ist er eine berührende Dokumentation von Webers aussergewöhnlichem Schicksal – und seines beinahe heimlichen Sterbens.

 

Der Film wird im 1. Stock des Museums gezeigt. Hier ist auch bis im Dezember die Hommage an Rico Weber ausgestellt.